im Verflechtungsraum Berlin-Brandenburg und ihre Bedeutung für Natur und Landschaft

Diplomarbeit von Julia Hilgendorf

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Pferdehaltung als Landnutzung im stadtnahen Raum. In der einschlägigen Literatur zur Landnutzungs- und Raumforschung wird für peri-urbane Räume in Industrieländern eine Zunahme pferdehaltender Betriebe konstatiert. Eine empirische Bestätigung erfolgte hierzu bislang noch nicht. Dementsprechend ist die Rolle, welche die Pferdehaltung innerhalb der komplexen Landnutzungsthematik stadtnaher Räume spielt, weitgehend unbekannt. Ziel dieser Arbeit ist die empirische Ermittlung und Darstellung ihrer räumlichen, zeitlichen und qualitativen Dimension am Beispiel des Verflechtungsraumes Berlin-Brandenburg.
Im ersten Schritt erfolgte durch die Zusammenstellung relevanter Schriftwerke und die Durchführung von Expertengesprächen eine theoretische Einordnung der praktischen Pferdehaltung in die Themen Landnutzungswandel und stadtnahe Landwirtschaft. Darauf basierend wurde ein Fragebogen erarbeitet, mit dessen Hilfe die Pferdehalter in Berlin und dessen Umland zu unterschiedlichen Aspekten, wie Betriebsstrukturen, Motivation und Grünlandmanagement Auskunft geben konnten. Die Auswertung der Befragungsergebnisse bildet den Schwerpunkt der Arbeit.

Die forschungsleitenden Hypothesen bezogen sich auf die Ermittlung des ökonomischen Profils der Pferdehöfe und deren betriebsbedingte naturräumliche Auswirkungen. Unter anderem war die Einordnung von Motiven der Pferdehalter, deren Erwerbsintention, der Kapitalintensität, landwirtschaftlichen Charakter und Professionalitätsgrad der Betriebe von Interesse. Es galt als wichtig zu überprüfen, ob es sich bei der Pferdehaltung um eine Diversifizierungsstrategie stadtnaher Landwirte handelt. Im Fokus standen weiterhin die Ausprägungen maßgeblicher, die Betriebsökonomie beeinflussende, Kenngrößen suburbaner Räume, wie Bodenpreise, Nutzungskonflikte oder planerische Auflagen. Bezüglich der ökologischen Effekte der Pferdehaltung wurden im speziellen die flächenbezogene Faktoren, bspw. Besatzdichten, Futterqualitäten oder landwirtschaftliche Vor- und Nachnutzungen untersucht und verglichen. Die Abhängigkeit der betrachteten
Merkmalsausprägungen zur Entfernung der jeweiligen Pferdebetriebe zu Berlin bildete bei den Betrachtungen die bestimmende Hintergrundvariable.

Zunächst konnte als Ergebnis im Untersuchungsraum eine hohe Dichte an pferdehaltenden Betrieben festgestellt werden, die mit zunehmender Entfernung zur Berliner Stadtgrenze abnimmt. Als ausschlaggebender Faktor für die stadtnahe Konzentration wurde eine starke Ausrichtung der Betriebe auf post-produktive Dienstleistungen ermittelt, welche durch die Kundennähe und gute verkehrliche Anbindung profitiert. Dies betrifft insbesondere den hohen Anteil an großstrukturellen und professionell ausgerichteten Pferdehöfen. Der erwerbsorientierten Pferdehaltung wird durch die befragten Pferdehalter ein gutes Potential zugesprochen.

Weiterhin konnte festgestellt werden, dass neben der Einkommenserwirtschaftung die private Freizeitbeschäftigung ein wichtiges Motiv der stadtnahen Pferdehalter ist. Auffällig ist das Vorhandensein vieler Hobbyhaltungen, welche charakteristischer Weise kapitalextensiv betrieben werden und eine geringe flächenhafte Ausdehnung aufweisen.

Eine hier vorhandene Einkommensabsicht begründet sich zumeist in der Finanzierung der eigenen Pferdehaltung. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der Anteil solcher „Betriebe“ aufgrund von Erfassungsschwierigkeiten in der vorliegenden Untersuchung unterrepräsentiert.

Innerhalb des Landnutzungswandels stellt die Pferdehaltung im Berliner Umland eine eigenständige Entwicklung dar, welche nicht aus der Diversifizierung bestehender landwirtschaftlicher Betriebe hervorgeht. Es handelt sich weitestgehend um Neugründungen mit zeitlichem Schwerpunkt zu Beginn der Neunziger Jahre. Diese ersetzen auf vielen Flächen andere agrarische Nutzungen - hauptsächlich Rinderhaltung und Ackerbau. Weiterhin halten sie brachgefallene und aufgegebene landwirtschaftliche Flächen in Nachnutzung. Gemäß der persönlichen Einschätzung der Befragten, würde ein Großteil der bewirtschafteten Flächen ohne die Pferdehaltung ungenutzt bleiben.

Die Ergebnisse der Befragung legen einen positiven Einfluss der Pferdehaltung auf den periurbanen Naturraum nahe. Die erforderlichen Raufuttereigenschaften und der vornehmlich regionale Heuerwerb tragen tendenziell zum Erhalt und zur Schaffung naturschutzfachlich wertvollen Grünlandes bei. Die ermittelten Besatzdichten entsprechen weitestgehend den im KULAP festgesetzten Vorgaben für extensive Grünlandnutzung. Trotz partieller Überschreitung dieser Grenzwerte durch Hobbybetriebe, kann der stadtnahen Pferdehaltung eine vorteilhafte Wirkung für die ökologische Qualität und die langfristige Erhaltung der kulturhistorisch geprägten Offenlandschaft zugesprochen werden.

Die Untersuchungsergebnisse weisen auf die wichtige Funktion der peri-urbanen Pferdehaltung für eine nachhaltige Entwicklung des Berliner Umlandes hin. In Zukunft ist mit einer weiteren Zunahme pferdehaltender Betriebe in dieser Region zu rechnen. Dies sollte bei zukünftigen Bestrebungen zur Entwicklung des peri-urbanen Raumes stärker berücksichtigt werden. Einschränkungen in der Übertragbarkeit der Resultate auf andere stadtnahe Räume sind in der vergleichsweise geringen städtischen Entwicklung des Berliner Umlandes und in dessen außerordentlich ungünstigen natürlichen Standorteigenschaften zu sehen.

Die komplette Diplomarbeit als PDF - 96 Seiten - 1,4MB
Notiz:

Text: Julia Hilgendorf